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Digital Object Identifier (DOI)

Erinnerung an das "Todesspiel von Kiew": Perspektiven für eine Erinnerungsforschung zu Sport in Osteuropa

Typ: Text

Titel: Erinnerung an das "Todesspiel von Kiew"

Untertitel: Perspektiven für eine Erinnerungsforschung zu Sport in Osteuropa

Autor: Gregor Feindt

DOI: 10.15457/sportost_feindt_2012

Veröffentlichungsdatum: 25.06.2012

Schlagwörter: Kiew, Fußball, Kollektives Gedächtnis, Geschichte 1942

Beschreibung:
Seit den 1980er Jahren sind Erinnerung und das kollektive Gedächtnis Kernthemen historischer und kulturwissenschaftlicher Forschung. Dennoch ist Sport in Osteuropa ein Randthema dieser Erinnerungsforschung geblieben. In einer Fallstudie zeigt der Beitrag wie ein Fußballspiel zwischen einer deutschen und einer ukrainischen Mannschaft 1942 im besetzten Kiew in der populären sowjetischen Erinnerung zum "Todesspiel" wurde. Dabei lässt sich in den verschiedenen Phasen sowjetischer Nachkriegsgeschichte aufzeigen, wie die Erinnerung an das "Todesspiel von Kiew" ausgehandelt wurde und den jeweiligen Bedürfnissen und Möglichkeiten sozialistischer Öffentlichkeit und Gesellschaft unterlag. Besonders Massenmedien wie Jugendromane, Filme oder Zeitungen trugen dazu bei, dass sich eine Erzählung des Spiels etablierte, die sich in eine an Heldenmut und antifaschistischen Kampf orientierte sowjetische Kriegser­innerung einpasste. Dennoch bot das "Todesspiel" auch für nicht-hegemoniale Erinnerungsgruppen, wie die Bevölkerung der Stadt Kiew oder Anhänger des Fußballklubs "Dynamo", Identifikationspotential. Dies zeigt beispielhaft auf, dass Erinnerung dynamisch und plural betrachtet werden muss. Folglich bietet die Untersuchung von Sport und Erinnerung in Osteuropa die Möglichkeit alltagskulturelle Phänomene und autoritär regierte Gesellschaften zu untersuchen und damit einen innovativen Beitrag zur Erinnerungsforschung zu leisten
Since the 1980s collective memory is a major topic of historical and cultural studies. However, this does not include Sports in Eastern Europe. In a case study this article analyses how a football match between a German and a Ukrainian side in occupied Kiev in 1942 was narratively turned into a "death matc".Following different stages of Soviet post war history the negotiations of this narrative reflectupon the requirements and possibilities of a socialist public sphere and society. In particular mass media, such as youth novels, films and newspapers, strengthened a narrative that was integrated into the Soviet memory of war and shaped by its traits of heroic and anti­fascist struggle. Nevertheless the "death match" also allowed non-hegemonical commemorating groups to arise or consolidate, e.g. as inhabitants of Kiev or supporters of the football club "Dynamo". Consequently memory calls for a thorough scrutiny of its inherent plurality and dynamics. Sports and memory in Eastern Europe thus open up multiple opportunities to examine popular culture and authoritarian societies contributing to the field of memory studies in general.

Geographischer Raum: Kiew

Dazugehörige Publikation:
Anke Hilbrenner, Ekaterina Emeliantseva, Christian Koller, Manfred Zeller, Stefan Zwicker (Hgg.): Handbuch der Sportgeschichte Osteuropas. Regensburg : Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung, 2012-2017. ISSN: 2198-2457.

Rechte:
CC BY-NC-ND 4.0

Sprache:
Deutsch

Version:
1

Verfügbarkeit:
Download

Zitation:
Feindt, Gregor (2012): Erinnerung an das "Todesspiel von Kiew". Perspektiven für eine Erinnerungsforschung zu Sport in Osteuropa, in: Handbuch der Sportgeschichte Osteuropas: Version: 1. Leibniz Institute for East and Southeast European Studies. Text. https://doi.org/10.15457/sportost_feindt_2012